Foodwaste ist allgegenwärtig, wenn auch häufig unsichtbar. Im Alltag sind wir meist eher mit Verpackungsmüll konfrontiert, alles ist eingeschweist oder doppelt verpackt, um es uns Konsumenten in gerechten Grössen zu verkaufen. Etwas moderner aber vlt. nicht ganz neu sind Abfüllstationen für diverse Produkte wie Seife, Essigprodukte oder Müsli & Nüsse die es erlauben, dein eigenes Gefäss mitzubringen und nur für das zu bezahlen, das du wirklich brauchst.
Wie auch bei der Verpackung ist Verschwendung einfacher durch Vermeidung als durch Recycling zu minimieren, auch wenn Recycling berechtigt und wichtig ist. Genau gleich ist es mit Lebensmitteln, wobei du mit cleveren Strategien viel für dich, dienen Kühlschrank & dein Portemonnaie tun kannst.
Folgende umfassende Recherche zeigt dir lokale & individuelle Möglichkeiten, deinen Fussabdruck zu verkleinern und dabei Geld zu sparen. Ich nenne dieses Vorgehen die 3S: Vermeiden, Verwerten, Verschenken.
Vermeiden
Wenn du regelmässig überzählige Lebensmittel im Kühlschrank hast, kannst du dir überlegen ob du allenfalls häufiger zuviel bzw. zu grosse Mengen einkaufst, zu grosse Mengen kochst, die du gar nicht essen magst oder womöglich keine systematische Planung hast. Planung kann helfen nur die Lebensmittel einzukaufen, die du für die täglichen Gerichte & Zwischenverpflegung wirklich brauchst und auch isst.
Essensplanung
Wissen welche Gerichte du magst
Für die Planung ist es wichtig zu Wissen, welche Gerichte du magst und welche Zutaten du hierfür benötigst, nicht zuletzt wenn du häufiger Zutaten vergisst oder gerne regelmässig Gerichte kochst oder in Zukunft kochen möchtest. Um dir gleich ein sinnvolles Upgrade von den kostbaren aber grauslig analogen Papierlisten zu geben, könntest du beispielsweise eine simple Notes-App oder eine etwas mehr ausgeklügelt App für Rezepte & Essensplanung verwenden.
Vorkochen & Rationieren
Hast du erstmal einen Plan und Rezepte die dir gefallen, kannst du für leichte Gerichte mit Saucen wie Spaghetti, Züri-Gschnätzeltes aber auch grössere Gedichte wie Lasagne gut grössere Mengen ansetzen, die du auch leicht einfrieren und mit geeigneten Tupperwares sogar in der Mikrowelle bzw. Im Backofen aufwärmen kannst. Den mit jedem Mal wo du kochst, kommt Rüsten, Kochen, Abwaschen & Co. hinzu und auch wenn Schneidmaschinen und Spülmaschine hilfreich sind, kannst die diese Arbeit auf ein Minimum reduzieren wenn du vorkochst.
Einkauf mit Einkaufsliste
Du hast keine Lust auf Einkauf? Sieh dir folgendes Angebot an.
Das Einkaufen mit Einkaufsliste vermeidet willkürliches Zugreifen im Laden. Du kaufst nur die Dinge ein von denen du weisst, dass sie Zuhause fehlen und du sie für ein Rezept oder allgemein brauchst. Das spart dir Zeit & Geld im Laden ohne das Gefühl zu kriegen etwas vergessen zu haben. Für den täglichen/wöchentlichen Einkauf reicht es also, wenn du für die nächsten Tage bereits Rezepte ausgesucht hast, die du Kochen möchtest und aus denen du dann die Einkaufsliste erstellen kannst. Brauchst du Dinge wie Reis, Spaghetti & Co. sehr regelmässig, kannst du hiervon auch gut grössere Mengen kaufen und Lagern, damit wären wir auch schon beim Thema Kanban.
Vorratslager – Was brauche ich wie oft?
Wenn du ein kleines Lager führst oder führen willst – was immer dann sinnvoll ist, wenn du gewisse Sachen auf Vorrat haben willst – macht es Sinn, eine Liste zu führen die dir angibt, wie oft du gewisse Dinge benötigst, bzw. wie viele Mengen du Zuhause mindestens haben möchtest. Eine optionale visuelle Kennzeichnung hilft dir schneller zu sehen, ob du die Tomatensauce oder das WC-Papier bereits wieder auf die nächste Einkaufsliste setzen solltest oder besser die Mindestmenge anhebst. Während eine fehlende Tomatensauce wahrscheinlich vertretbar ist, ist die Situation mit fehlendem Toilettenpapier weniger erfreulich 😅
Kühlschrankzonen richtig nutzen
Schonmal in die Anleitung deines Kühlschranks geschaut? Ich weiss, das dicke, weisse Buch das mit dem Gerät mitkam und mit dem Müll wieder ging 😉 – Aber keine Sorge, die meisten Kühlschränke sind ähnlich aufgebaut und die Kältezonen ähnlich aufgeteilt. Aber kennst du die einzelnen Zonen auch wirklich? Bei den meisten Modellen sind diese ähnlich bis gleich angeordnet, können sich aber je nach Modell und Hersteller unterscheiden. Eine typsiche Aufstellung findest du hier beschrieben.
Rest-EssBar’s – Kostenfrei vom Laden auf deinen Teller.
Die Restessbar ist ein Konzept des Vereins RestEssBar. An verschiedenen Standorten in der Schweiz finden sich Kühlschänke, die vom Team der RestEssBar mit Lebensmitteln von Supermärkten gefüllt werden. Lokale Teams holen täglich unverkaufte Lebensmittel und stellen sie der Bevölkerung so kostengünstig zu Verfügung.
Hier findest du die Standorte von RestEssbar Schweiz:
Karte von RestEssbar.ch
Äss-Bar – Naschen zum kleinen Preis
Äss-Bar ist ein unternehmerisches Konzept, das Lebensmittel vor der Entsorgung rettet. Das Unternehmen vertreibt lokal wie auch mobil an verschiedenen Standorten in der Schweiz Köstlichkeiten, die am Vortag in Konditoreien aus der Region nicht verkauft werden konnten, zum halben Preis oder auch weniger. Gerade Törtchen, Muffins & Co. sind ohne weiteres konsumierbar und ich war selbst schon Kunde bei der mobilen Äss-Bar am Hönggerberg in Zürich und am Bahnhof Stadelhofen in Zürich. Sie sammeln die leckeren Zutaten am Abend ein und verkaufen sie am Folgetag für kleines Geld, das schont das Portemonnaie und erfreut die Bäuche deiner Freunde/Familie/Gäste/Kollegen. Hier findest du die Standorte von diesem tollen Angebot.
Too good to go – Last come, first served
Ein ähnliches Konzept bietet ToGood2Go an. Bei diesem Angebot handelt es sich um eine Plattform, auf der viele lokale Händler & Restaurants vor Ladenschluss Pakete von Lebensmitteln zusammenschnüren und für Fixpreise zu kleiem Geld vergeben. Im Laden erhälst du z.B. für nur 5 Franken eine grosse Tüte mit Gemüse die den eigentlichen Inhalt im Wert um vieles übertrifft, dafür hast du jedesmal andere Zutaten, je nachdem was am Ende des Tages übrigbleibt. Meist erhälst du dieses Paket in den letzten 15-30 Minuten vor Ladenschluss und kannst es tagsüber direkt über die App reservieren. Dadurch wandern eniger Lebensmittel wandern in den Müll & weniger Geld aus deinem Portemonnaie.
Mundraub – deine Pflückhilfe für die Schätze der Natur
Über die Karte von Mundraub findest und markierst du Obstbäume & Beeren- sowie Nusssträucher, denen du selbst in der Natur über den Weg läufst oder andere Locals markiert haben, auf unserer Landeskarte. Es handelt sich also quasi um ein offenes Lexikon mit frei zugänglichen, öffentlichen & natürlichen Zutaten, die man an Wegesrand, im Wald oder an öffentlichen Sträuchern finden & sammeln kann. Dazu gehören beispielsweise Äpfel & Birnen, Hasel- & Walnüsse, Brombeeren & Holunderbeeren und viele mehr.
Falls du beispielsweise mit Beeren zu wenig vertraut bist, empfehle ich dir folgende App, um die Pflanze zweifelsfrei und in wenigen Sekunden bestimmen zu können um sicher zu sein, dass es sich tatsächlich um essbares Gut handelt:
Verwerten
Restegericht – Kühlschrankernte jedes Mal neu erfinden
Selbst bei guter Planung kommt es vor, dass einzelne Zutaten übrig bleiben. Dabei stellt sich häufig die Frage, was damit anstellen soll. Gute Möglichkeiten solche Lebensmittel zu verwerten sind folgende Herangehensweisen zur Resteverwertung:
Mischpfanne
Du schneidest alles in 1-2cm grosse Stücke, schmeisst es in eine Pfanne mit wenig Öl und brätst es an. Lässt sich gut in schüsselförmigen Tellern oder Suppentellern servieren.
Quiche
Kleine Küchlein mit Wähen- oder Blätterteig, gefüllt mit Ei, Gemüse, Fleisch & Co. Kurz im Ofen überbacken und abkühlen lassen.
Suppe
Viele Gemüsesorten können alleine oder zusammen zu einer Suppe püriert werden, so eignen sich beispielsweise Kartoffel, Karotte, Kürbis, Brokkoli & Süsskartoffel einzeln oder wahlweise kombiniert.
La dolce Vita Pita
Wir alle kennen die klassischen 30 Pizzasorten mit ihren Namen wie „Quattro Stagioni“, „Napoletana“ oder „Frutti di mare“ die man uns in Restaurants anbietet und alle haben sie gemeinsam, dass sie trotz der Ähnlichkeit sehr divers sind und so ziemlich jede Zutat erlauben (ja, inklusive Pizza Hawaii, es gibt wirklich Menschen die sie mögen ☝🏻). Daher liegt es nicht sehr fern zu überlegen, ob sich die Zutaten aus deinem Kühlschrank nicht auch für eine Pizza, einen Flammkuchen oder im Pitabrot serviert anbieten würden. Egal für welche Version du dich entscheidest, findest du auf alle Fälle einen Fertigteig bzw. gekühlte Pitas in deinem Supermarkt, sollten dir Fingerfertigkeit oder Zeit fehlen. Falls du nur noch Bier & Essiggurken im Kühlschrank hast, schau doch mal bei Restessbar oder MadameFrigo vorbei.
Konservierung
Essen zu konservieren – also länger haltbar zu machen, um es später essen zu können – ist eine alte Tradition und besteht aus unterschiedlichen Methoden, die teilweise schon sehr lange bekannt sind und noch heute industriell wie auch privat Anwendung findet.
Durch Zucker
Konfitüre besteht klassisch aus sehr viel Zucker, da sie je mehr Zucker drin ist, umso länger haltbar ist. Dementsprechend sind Konfitüren mit wenig Zucker eher anfällig für Schimmelbildung. Schonmal selbst Konfitüre hergestellt? Geh mit Mundraub auf die Suche und probier es selbst.
Durch Trocknen
Die Trocknung entzieht dem Trockengut sein Wasser, welches für jedes Lebewesen – und damit auch Schimmel & Bakterien – essentiell ist. Das Entziehen des Wassers macht das Lebensmittel damit länger haltbar. Dieses Verfahren kommt häufig bei Pilzen zum Einsatz, die sich bei Temperaturen von 30-50°C schonend trocknen lassen. Zum Einsatz kommt hierfür idealerweise ein Dörrautomat, der stapelbare Etagen mit Bodengittern enthält, damit genügend Luft an das Trockengut gelangt. Bei den meisten Modellen lässt sich auch die Temperatur einstellen und allenfalls sogar ein Lüfter zur Unterstützung. Als Alternative bleibt der Backofen, der jedoch meist nicht unter 40-50°C kommt und eine schonende, langsame Trocknung nur mässig ermöglicht. Ohne feinmaschigen Gitterrost kann sich zudem Feuchtigkeit unter dem Trockengut sammeln, was die Qualität stark mindert. Gut zum Trocknen geeignet sind Früchte wie Äpfel & Birnen, Mango, Ananas und auch einige Pilzsorten.
Durch Gefriertrocknen
Anders als bei der herkömmlichen Trocknung, bei welcher der Wassergehalt aus dem Trockengut verdunstet, findet bei der Gefriertrocknung die Sublimierung Anwendung. Dabei wechselt das Wasser seinen Zustand nicht von „flüssig zu gasförmig“ (Verdampfung), sondern direkt von „fest zu gasförmig“, ganz ohne in den Flüssigzustand zu gehen. Dies ist nur mittels Unterdruck möglich, während das Produkt stark gekühlt wird. Anwendung findet dieses Verfahren vorallem in der Industrie und und wird dort bei der Produktion von beispielsweise Instant-Coffee, Trekking-Nahrung oder auch Gemüseflocken genutzt. So ist Instant-Coffe beispielsweise fein vernebelter und dabei eingefrorener Bohnenauszug (Kaffee), dem direkt das Wasser entzogen wird. Somit ist Instant-Kaffee quasi purer Kaffe ohne den Wasseranteil – und dementsprechend auch teurer.
Durch Einfrieren
Neben dem gezielten Portionieren kann das Einfrieren von Resten helfen, die Produkte zu einem späteren Zeitpunkt aufzubrauchen. Dazu eignen sich sowohl fertige Speisen als auch einige Rohzutaten. Zur Lagerung eignet sich ein passendes Assortiment an gefriertauglichen Tupperboxen mit Dichtring, die sich ohne Anstrengung oder Bruchgefahr auf alle Seiten hin öffnen lassen.
Verschenken
Verschenken umfasst alle Handlungen die die Weitergabe einer Sache an jemand anderes ermöglichen. Man nutzt das Produkt also nicht selber, sondern gibt es weiter. Dies ist gerade dann sinnvoll, wenn man grosse Mengen von bereits gekochten Speisen und/oder Nachtisch übrig hat, die man selbst vor Überschreitung der Haltbarkeit kaum mehr konsumieren kann. Folgende Optionen hast du.
An deine Nachbarn
Du hast ein halbes Buffet übrig oder grosse Mengen Lasagne gekocht? Eine Feier ist durch und die Hälfte noch übrig und keiner da der mitnehmen mag?
Dann wärs vlt. sinnvoll zu überlegen, wann du zuletzt mit einem deiner Nachbarn ins Gespräch kamst oder wen du womöglich noch nicht kennen gelernt hast. Jenachdem bietet dies eine gute Möglichkeit, jemanden wahlweise zum Essen einzuladen oder mit einer kleinen Schenkung Sympathien zu gewinnen. Achte am besten darauf, dass die Speisen noch 1-2 Tage im Kühlschrank haltbar sind und dass es sich nicht um ungewöhnliche oder ‚typisch allergene‘ Speisen handelt.
Über öffentliche Kühlschränke
Gerade in städtischen Gebieten, wo viele Leute auf engem Raum wohnen, gibt es bereits vielerorts Kühlschränke im öffentlichen Raum, aus denen du dich frei bedienen oder auch selbst Esswaren oder Lebensmittel gemäss Vorgabe/Ausschluss deponieren kannst. Damit kannst du unkompliziert Nachbarn, Idealisten & Menschen mit kleinerem Budget unterstützen ohne an Türen klopfen zu müssen. Für jeden Kühlschrank gibt es einen „Götti/Gotte“ der/die sich um die Hygiene kümmert und den Kühlschrank regelmässig prüft. Die Standorte von MadameFrigo findest du hier: Standorte abrufen.
Lade Gäste an deinen offenen Tisch
Sind die Mengen sehr gross & du willst sie auf einmal los werden? Bist du offen und gesellig, so hast du die Möglichkeit über Plattformen wie GemeinsamErleben deinen Tisch mitsamt den Esswaren für eine vordefinierte Gruppengrösse von Interessierten, geselligen Leuten zu deinen Bedingungen auszuschreiben und neue Bekanntschaften zu machen. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten und ein Karma-Bonus für dich 😉

Hi, ich bin Florian & das hier ist meine Seite dailyhacks.ch, auf der ich regelmässig zu Themen aus dem Alltag schreibe.
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